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Pfälzer Profile: Das Geheimnis ihrer Bären ist der Blick

Dagmar Seibel aus Maikammer stellt Teddybären her - Zweimal Weltmeistertitel errungen

Wenn Dagmar Seibel morgens in den Briefkasten schaut, hat sie manchmal Post von einem ihrer Teddybären. Diese denken beim Urlaub im Süden an ihre "Mama", auch wenn sie schon längst von anderen Familien adoptiert sind. So erzählt es die 38-Jährige aus Maikammer und fügt schmunzelnd hinzu, dass sie für ihre Hingabe als Bärenmutter auch mal verständnisloses Kopfschütteln erntet. Solche Kritik lässt sie unbeeindruckt: "Das kann man als Außenstehender nicht verstehen."

BildDie Postkarten schreiben in Wahrheit Sammler von Teddybären, die ein Exemplar oder mehrere bei Seibel gekauft haben. Weil die "neuen Eltern" an ihren kleinen Bären hängen und auch mit ihnen sprechen, legen sie ihnen die Wörter in den Mund und unterschreiben die Karten mit "Amelie" oder "Vinzenz", je nach dem, wie der Bär heißt.

Dagmar Seibel ist zweifache Weltmeisterin im Bärenmachen. Aus einer ungewöhnlichen Idee hat sich ihr Beruf entwickelt. Acht bis zehn Stunden sitzt die Mutter von drei Kindern zwischen Stoff, Nadeln und Nähmaschine in ihrer mit Teddybären voll gestopften Werkstatt: "Da müssen die Kinder auch mal bei der Hausarbeit mithelfen."

Die 38-Jährige lebt mit ihren Bären, und wenn sie von ihnen erzählt, von ihrem Blick und ihrem Ausdruck, dann scheint es, als würden all die Stofftiere um sie herum wirklich leben. Seit acht Jahren näht sie nun schon die Felle der Stofftiere zusammen, hat dabei ihren eigen Stil gefunden, der ihre Bären unverwechselbar macht. "Wenn man soweit ist, ist man ein Künstler", sagt sie.

Die kleinen Kunstwerke sind bei den Sammlern derart begehrt, dass Dagmar Seibel Mühe hat, die Nachfrage zu bedienen. Sechs Wochen beträgt die aktuelle Wartezeit. Wichtig seien ihr nicht unbedingt das Geldverdienen und der Verkauf möglichst vieler Bären; ihr komme es mehr auf den freundschaftlichen Kontakt zu den Käufern an, erzählt sie. Sie verkauft also ihre Bären nicht einfach, sondern "ich lasse sie adoptieren". So ist ihre Bärenfamilie mittlerweile über ganz Deutschland und das Ausland verstreut, einige ihrer "Kinder" stehen sogar in Japan und in der Schweiz im Museum. Mit vielen "Adoptiveltern" hält sie Kontakt, einmal gab es in Maikammer ein großes Sommerfest, zu dem von überall her Bärenliebhaber kamen und Hunderte von Seibel-Stofftieren mitbrachten. Der Weltmeistertitel hat ihren Namen bei den Sammlern bekannt gemacht, zu den Messen in Paris, der Schweiz und in Deutschland reist ihr zum Teil eine Fangemeinde nach, um zu sehen, was es Neues gibt.

Das Geheimnis ihrer Bären sei der Blick, verrät die Künstlerin. Am wichtigsten Körperteil eines Teddys, dem Kopf, müssten Ohren, Nase und Augen millimetergenau so angeordnet werden, dass der Gesichtsausdruck Emotionen weckt. Jede geringste Abweichung kann das zerstören. "Ein Teddybär muss mich anschauen", erklärt sie. Zufrieden ist sie nur, wenn der Blick ihrer Teddys eine perfekte Sanftmut ausstrahlt. Deshalb werden bei manchen Tieren die Ohren und die Nase auch schon einmal nach Tagen wieder abgemacht und versetzt.

Viel Geld sei mit dem Bärenmachen nicht zu verdienen, sagt Dagmar Seibel. Mindestens einen Tag braucht sie für einen Bär, dazu kommen noch die Arbeit für die Entwicklung der Schnittmuster und die Materialkosten. Andererseits sei sie nicht darauf angewiesen, ihr Mann habe "einen guten Job als Zahntechniker". Deshalb halte sie die Preise eher niedrig, damit die Leute wieder zu ihr kommen und die Bärenfamilie immer größer wird. Irgendwann will sie auch wieder eine Sommerparty in Maikammer veranstalten. Und wer nicht kommt, schreibt seiner "Mama" bestimmt eine Postkarte.

Von unserem Redaktionsmitglied: Thomas Masuch

RON - RHEINPFALZ ONLINE, Mittwoch, 17. Jul 2002 , 03:45 Uhr

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